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Eine Trotzphase beim Kind ist eine Herausforderung für alle Beteiligten. Der Trotzkopf fühlt sich haltlos und weiß selber oft nicht genau, was los ist. Für Dich als Elternteil ist es schwer mit den starken Emotionen des Kindes, Deinen eigenen Gefühlen und dem Blick von außen umzugehen. Häufig genug passieren während der Trotzphase die schönsten Streitigkeiten in Situationen des Alltags und haben viel Publikum. Was kannst Du tun? – Dich vom Gefühlschaos Deines Kindes abgrenzen und ruhig bleiben. Das beendet keineswegs die Wutanfälle, aber mit Deiner Ruhe hilfst Du Deinem Kind.

Trotzphase beim Kind – wichtig für die Entwicklung

Der Blick auf die Trotzphasen hat sich in der Entwicklungspsychologie gewandelt. Heute sind sich Wissenschaftler einig, dass gerade die Trotzphase für die Entwicklung eines positiven Selbstbildes und eines gesunden Selbstwerts entscheidend ist. Erziehungswissenschaftler bezeichnen sie als Autonomiephase. Erst im Alter von zwei bis fünf Jahren werden sich Menschen bewusst, dass sie eine eigenständige Person sind. In dem kleinen Trotzkopf tobt ein riesiges Chaos aus diesem Gefühlswirrwarr:

  • widersprüchliche Gefühle
  • unklare Gedanken
  • der eigene Wille
  • der Wunsch nach Harmonie

Dein Kind ist von seinem inneren Chaos hoffnungslos überfordert. Der kleine Trotzkopf braucht Dich dringend. Seine Wut ist kein Angriff. Hinter dem wütenden „Ich will aber!“ aus der Trotzphase steckt viel mehr Verzweiflung. Dein Kind fühlt sich, als würde es in all den Gefühlen ertrinken. Wenn es jetzt diesen Schokoriegel bekommt, dann ist alles wieder gut. Jetzt hilfst Du Deinem Kind keineswegs, indem Du ihm jeden Schokoriegel gibst. Aber Du hilfst ihm, wenn Du die Widersprüche in Worte fasst. „Du willst unbedingt den Schokoriegel haben. Jetzt bist du wütend, weil du ihn nicht haben darfst.“ Du zeigst Verständnis für seine Wünsche, bleibst aber bei Deiner Entscheidung.

Weder Trotzphase noch Wut persönlich nehmen

Dein Kind durchläuft in der Trotzphase eine wichtige Entwicklung. Kinder grenzen sich mit trotzigem Verhalten ab, weil sie es noch nicht anders können. Abgrenzen müssen sie noch lernen. Schließlich sollen sie für sich und ihre Interessen einstehen können. Mit diesem Hintergrundwissen kannst Du viel gelassener auf Dein trotziges Kind reagieren.

Ihr befindet Euch nicht im Kleinkrieg, sondern „nur“ in der Trotzphase. Dein Nachwuchs entwickelt sich. Das ist manchmal für Eltern – wie für die Trotzkinder – anstrengend. Gelingt es Dir, das trotzige Verhalten des Kindes umzudeuten, kannst Du seine Trotzreaktionen besser verstehen und aushalten. Versuch, das trotzige kindliche Verhalten nicht als „bockig“ oder „trotzig“ zu bewerten. Führe Dir stattdessen vor Augen, dass diese Entwicklung für Dein Kind oft unheimlich ist. Es erlebt sich als hilflos und überfordert. Tritt Dein Kind besonders vehement in der Trotzphase auf, sind die inneren Konflikte umso größer.

Trotz als Entwicklungsschritt verstehen

Wenn Du für Dich das Verhalten umdeutest, gelingt es Dir leichter ruhig zu bleiben. Umdeuten fängt bei der Sprache an. Trotz ist gegen etwas oder jemanden gerichtet. Wenn Dein Kind für Dich trotzt, wird es Dir schwerer fallen, die Gefühle Deines Kindes nicht als Angriffe zu sehen. Es bockt und trotzt – in vielen dieser klassischen Begriffe stecken Abwertung und passive Aggressivität.

Siehst Du diese anstrengende Trotzphase hingegen als Station, damit Dein Kind seinem Alter entsprechend eigenständig wird, verliert der Trotz seinen Schrecken. Trotzanfälle, ein sich bockig hinschmeißender Wutzwerg oder ein gebrülltes „Nein“ lassen sich mit Abstand besser ertragen. Bleibt Dein Blick auf Dein Kind bei allem Trotz liebevoll, bleibt ihr im Kontakt. Ihr befindet Euch nicht in einem Kleinkrieg. Dein Kind wird älter. Diese Entwicklung fordert Euch beide in der Trotzphase.

In welchem Alter kommen Kinder in die Trotzphase?

Für Dich als Elternteil beginnt jetzt ein neuer Abschnitt, der Dich anders fordert. Bei einem Baby sind die Anforderungen meistens recht simpel: Schlafen, Essen, sicherer Rahmen und viel Liebe. Bei einem Kleinkind wird es komplexer. Du übst das Loslassen in großen Schritten. Zwischen dem 18. Lebensmonat und dem zweiten Geburtstag „trotzen“ die ersten Kinder los.

Sie möchten Sachen alleine machen, alles ausprobieren und viel selber bestimmen. Das kann am Morgen beim Anziehen für Dich schwierig sein, weil die Zeit drängt. Diese erste Trotzphase hat ihren Höhepunkt zwischen dem zweiten und dritten Geburtstag. Sie geht allerdings noch bis zum sechsten Geburtstag. In diesem Zeitraum gibt es immer wieder Phasen, in denen Dein Kind trotzig neue Rechte einfordert.

Der Wunsch Deines Kindes nach Autonomie kann je nach Typ viel größer sein, als Du es Dir wünschst. Ob es auf hohe Bäume klettern möchte, als Kindergartenkind alleine zum Freund um die Ecke gehen, in Gummistiefeln zum Kindergarten oder ohne Jacke rausgehen will. Umso mehr Erfahrungen Dein Kind in einem sicheren Rahmen machen darf, desto selbstständiger entwickelt es sich.

Was passiert in der Autonomiephase?

Im Laufe der Kindheit gibt es mehrere Trotzphasen. Nachfolgend findest du eine kleine Übersicht der alterstypischen Trotzphasen.

Erste Trotzphase um den zweiten Geburtstag

Ein kleines Kind vor dem zweiten Geburtstag empfindet sich symbiotisch mit seiner Umwelt. Eigene Wünsche und Gefühle sind zwar da, werden aber noch nicht durchgesetzt. Im ersten und zweiten Lebensjahr experimentiert Dein Kind mit Ursache und Wirkung. Es beginnt Grenzen auszutesten. Das Kleinkind lässt etwas fallen und Du hebst es auf. Es tut etwas, womit es eine Reaktion auslöst.

Es kann durch eine Bewegung einen gebauten Turm zerstören (womit gleichzeitig noch der Freund zum Weinen gebracht wird). Es kann langsam selber einen Turm bauen. Dein Kind kann entscheiden, wohin der rote Bauklotz kommt oder auch nicht. Es beginnt sich als Gestalter und Bestimmer zu sehen. Es fordert Reaktionen von seiner Umwelt ein. Kneifen, Hauen, Schubsen oder an den Haaren ziehen sind in diesem Alter beliebt, weil sie sofort eine Reaktion bringen. Empathie ist bei Kindern in diesem Alter noch nicht sehr ausgeprägt.

Trotzphase um den dritten Geburtstag

Dreijährige Kinder befinden sich weiter mitten in diesem wichtigen Lernprozess. Dazu gehört auch, zu testen, wie weit sie bei Mama, Papa, Geschwistern und Freunden gehen können. Das Trockenwerden fällt ebenfalls in diese Zeit. Diese Entwicklung zeigt auf einer körperlichen Ebene, was sich im Inneren Deines Kindes abspielt. Es geht um die Wahrnehmung der eigenen Person, der eigenen Grenzen, eigenen Fähigkeiten und des eigenen Willens, sowohl körperlich als auch seelisch.

Durchhaltevermögen und Selbstregulation werden trainiert. Sprache beziehungsweise die individuelle Sprachentwicklung spielt eine wichtige Rolle. Kann sich Dein Kind gut ausdrücken, ist das jedoch kein Garant, dass die Sprache den Gefühlen in der Trotzphase standhält. Kinder, die sprachlich noch nicht fit sind, helfen sich oft körperlich oder über lautes Brüllen in trotzigen Momenten.

Im dritten Lebensjahr erkennen Jungs und Mädchen während der Trotzphase, dass sie mit bestimmten Aktionen konkrete Reaktionen zuverlässig auslösen. Sie experimentieren mit „Strategien“. Sie lernen, dass sie durch Verhaltensmuster ihren Willen durchsetzen können. „Wenn ich das mache, dann macht Mama/Papa … und ich darf … .“ Gelingt das nicht, endet es häufig je nach Temperament mit großer Enttäuschung oder riesiger Wut. Als Elternteil solltest Du nicht aus Angst vor der nächsten Trotzreaktion oder dem lauten öffentlichen Wutanfall Deinem Kind nachgeben. Zur Trotzphase gehört ebenso die wichtige Erkenntnis, dass der eigene Wille nicht immer durchgesetzt wird. Klare Grenzen geben Kindern Sicherheit.

Trotzphase beim Vorschulkind

Viele Eltern nennen diese Trotzphase rund um die Einschulung die Wackelzahnpubertät. Bei vielen Kindern kehrt in dieser Umbruchsituation der alte Trotz zurück. Erneut geht es um das Abnabeln von den Eltern und den Geschwistern. Das eigene Selbstverständnis ändert sich in dieser Trotzphase.

Je nach Gemüt reagieren die Kinder mit Überforderung, Angst oder Wut. Die Kinder probieren Strategien aus. Sie testen die Grenzen erneut. Regeln werden hinterfragt und einige Kinder probieren – gerade in der Gruppe – die Rolle des Rüpels aus. Es wird gehauen, geschubst, geschlagen oder verbal andere kleingemacht. Du bist in dieser Zeit als Gesprächspartner für Dein Kind wichtig. Klare Grenzen und konstante Spielregeln erleichtert diese Trotzreaktion auf die Veränderungen.

Warum sind Kinder trotzig?

Dein Kind eignet sich in jeder Trotzphase neue Kompetenzen an und möchte Dinge alleine machen. Die Schuhe alleine anziehen, die Hose anziehen und den Rucksack für die Krippe oder den Kindergarten tragen. Für Dich mögen dies Hindernisse in Deinem Zeitplan sein, für Dein Kind sind es wichtige Erfahrungen. Dein Kind bestätigt sich sein beginnendes Selbstbild in diesen kleinen Situationen:

„Ich kann das schon.“

Kinder brauchen in diesen Abschnitten viele Möglichkeiten, etwas selber entscheiden und alleine machen zu können. Wenn Du Dein Kind einbindest und ihm Aufgaben gibst, hilfst Du ihm sehr. Das können kleine Aufgaben sein, wie Gurkenscheiben mit einem Kindermesser neben Dir zu schneiden oder mit einem Staubtuch mit zu putzen. Du bestätigst Dein Kind in seiner Entwicklung. Damit entschärfst Du einige Momente. Du schenkst ihm Vertrauen, wenn Du es ausprobieren lässt. In der Trotzphase geht es für die Kleinen immer auch um den Kontakt zu anderen Menschen. Begegnest Du ihm mit Vertrauen, fühlt es sich positiv gesehen. Mancher Wutanfall wird hierdurch überflüssig.

Wie gehe ich mit der Trotzphase um?

Die Trotzphase ist nicht nur eine Entwicklungsphase für Dein Kind. Du wirst mit eigenen Ängsten, Gefühlen und Glaubenssätzen konfrontiert, wenn Dein Kind mehr Raum für sich beansprucht. (Öffentliche Wutanfälle verändern beispielsweise das Schamempfinden der Eltern nachhaltig.) Mit jedem Entwicklungsschritt Deines Kindes ändert sich Euer Zusammenleben.

Im ersten Lebensjahr sind das noch offensichtliche Änderungen. Natürlich passt Du auf Dein Baby anders auf als auf Deinen agilen Lauflerner ohne jegliches Gefahrenbewusstsein. In der Trotzphase übt Dein Kind im Grunde das emotionale Laufen – ebenfalls ohne Gefahrenbewusstsein. Es ist ein Ausprobieren, Klettern, Hinfallen, Umschubsen bis hin zu komplizierten Choreografien, die nicht immer funktionieren.

Es ist ärgerlich, wenn eine nette Frage im Kopf formuliert, der Einkaufswagen vielleicht noch geschoben wurde mit dem Ziel „Ich bekomme einen Schokoriegel“. Gibt es am Ende doch keinen Schokoriegel an der Kasse, ist das zum Hinschmeißen und Losbrüllen … Viele der Strategien Deines Kindes wirst Du nach einer Zeit kennen. Du wirst erkennen, wann sich trotziges Verhalten anbahnt. Bleib bei einem Nein, auch wenn es Blicke oder dumme Sprüche gibt. Mit Ruhe, Abstand sowie Humor lassen sich auch lange Trotzanfälle und schwierige Trotzphasen meistern.

Gemeinsam über Gefühle sprechen

Ein trotziges Kind weiß oft nicht, was mit ihm los ist. Trotzen ist oft eine Reaktion auf eine Überforderung. Entweder weil ein Plan nicht aufgeht oder weil die Gefühle im Inneren zu viel und zu widersprüchlich sind. Ehrlich über Gefühle zu sprechen unterstützt Kinder dabei, diese Überforderung hinter sich zu lassen. Du versprachlichst die Gefühle. Mit Wut, Trauer und Enttäuschung ist es ja wie mit Monstern, wenn sie für Dein Kind einen Namen haben, verlieren sie ihren ersten Schrecken. Benenne die Gefühle für Dein Kind:

„Du bist jetzt enttäuscht und wütend, weil du dich heute nicht verabreden kannst.“

Zeige Verständnis und biete eine Lösung an:

„Ich kann das verstehen. Was denkst du, möchtest du dich in zwei Tagen verabreden?“

Manchmal gibt es keine unmittelbare Lösung für den Konflikt. Verständnis und anbieten, Dein Kind in den Arm zu nehmen, hilft aber oft auch. Das kann manches Mal dauern, weil die Gefühle noch zu stark sind. Aber ruhig zu bleiben und zu sagen, dass Du da bist, hilft immer.

Wie kann ich Trotzanfälle beim Kind vermeiden?

Ganz verhindern, kannst Du trotziges Verhalten bei Deinem Kind nicht. Du kannst aber viel Stress aus Eurem Alltag in der Trotzphase nehmen. Vermeide Deinen Nerven und dem Selbstbild Deines Kindes zuliebe Kleinkriege. Überleg Dir klare und einfache Regeln für Euer Zusammenleben.

Gib Deinem Kind die Möglichkeit altersgerecht mitzugestalten. Nimm die Bedürfnisse Deines Kindes ernst. Überleg Dir in einzelnen Situationen während der Trotzphase, ob es jetzt für Dich persönlich wichtig ist, die Grenze zu setzen oder ob Du nachgeben kannst. Gib Deinem Kind einen Rahmen, in dem es Erfahrungen sammeln und Entscheidungen treffen darf.

Das kann beispielsweise sein, dass Du vor dem Besuch in den Supermarkt entscheidest, dass Dein Kind sich eine Sache selber aussuchen darf. Das sagst Du Deinem Kind mit der Begrenzung auf eine Sache. Es kann sein, dass es die ersten Male immer der Schokoriegel an der Kasse ist. Aber mit der Zeit und dem Alter werden die Kinder neugierig auf andere Sachen. Klare Absprachen sowie ein Rahmen, in dem Dein Kind mitentscheidet, sorgen für Entspannung. Beides unterstützt die kindliche Entwicklung in der Trotzphase.

Wie reagiere ich richtig, wenn mein Kind trotzig ist?

Selbstfürsorge ist für alle Menschen wichtig, aber für Eltern mit Kindern in der Trotzphase besonders. Wenn es Dir gut geht, kannst Du Deinen Kindern Sicherheit und Ruhe schenken. Konkret bedeutet das: Gönn Dir Auszeiten und tanke Kraft beim Entspannen, beim Sport … Für Dich ist Dein Kind in der Trotzphase ein Wirbelsturm. Aus der Perspektive Deines Kindes befindet es sich mitten im Wirbelsturm. Lass Dich von diesem Wirbelsturm nicht mitreißen, sondern sei ein ruhender Pol. Fühle mit Deinem Trotzkopf mit, aber lass Dich nicht überrollen. Hab auch Verständnis für Dich, wenn es mal nicht so gut klappt. Es gibt Tage oder Momente, da sind Eltern kein ruhender Pol. Macht schöne Sachen zusammen und genießt entspanntes Zusammensein. Sei großzügig zu Dir und Deinem Kind. Großwerden und Loslassen sind große Abenteuer.

Bild von Pezibear auf Pixabay.com

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